Die Wahl der Software für die elektronische Rechnungsstellung ist eine der wichtigsten technologischen Entscheidungen, die deutsche Unternehmen im Zuge der Anpassung an die neuen Pflichten treffen müssen. Eine falsche Wahl kann Jahre kosten und erheblichen Aufwand bei einem späteren Wechsel verursachen. Eine durchdachte Wahl spart Zeit, Geld und Frustration. Dieser Leitfaden bietet die wichtigsten Kriterien für eine fundierte Entscheidung.

Die Format-Unterstützung als erste Hürde

Die erste Prüfung gilt der Unterstützung der relevanten Formate. Eine Software für die deutsche elektronische Rechnungsstellung muss XRechnung und ZUGFeRD ab Version 2.0.1 in den profilkonformen Ausprägungen unterstützen. Beide Formate erfüllen die Anforderungen des Wachstumschancengesetzes; die meisten Unternehmen werden beide brauchen, je nach Empfänger.

Software, die nur eines der beiden Formate unterstützt, ist eingeschränkt. Wenn ein wichtiger Geschäftspartner das andere Format bevorzugt, muss eine Sonderlösung gefunden werden. Eine flexible Software, die beide Formate ohne Mehraufwand anbietet, vermeidet solche Komplikationen.

Bei ZUGFeRD ist die Unterstützung der konformen Profile wichtig. Die Versionen vor 2.0.1 entsprechen nicht den neuen Anforderungen; eine Software, die nur ältere Profile generiert, wäre nicht zukunftssicher. Die Frage nach der konkreten Profilunterstützung gehört zu jeder Anbieterprüfung.

Die GoBD-Konformität als Pflichtkriterium

Die GoBD-Konformität ist nicht optional, sondern Pflicht. Die Software muss die Anforderungen an Unveränderbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Auswertbarkeit erfüllen. Zertifizierte GoBD-Konformität —dokumentiert durch entsprechende Bestätigungen— ist die solide Basis.

Anbieter, die ihre GoBD-Konformität nicht klar dokumentieren oder die das Thema vermeiden, sollten kritisch hinterfragt werden. Eine Software ohne nachgewiesene GoBD-Konformität birgt das Risiko, dass die Finanzverwaltung im Falle einer Betriebsprüfung die Ordnungsmäßigkeit der Buchführung in Frage stellt.

Die Verfahrensdokumentation, die die GoBD verlangt, sollte vom Anbieter unterstützt werden. Vorlagen, Beispieldokumente und Anleitungen erleichtern dem Unternehmen die eigene Verfahrensdokumentation erheblich.

Die Integration mit der bestehenden IT

Die Rechnungssoftware steht selten allein. Sie ist eingebunden in eine IT-Landschaft, die Buchhaltung, ERP, Lagerverwaltung, Online-Shop, Banking und Customer Relationship Management umfassen kann. Die Qualität der Integration bestimmt maßgeblich den Effizienzgewinn.

Standard-Integrationen mit den verbreiteten Buchhaltungs- und ERP-Lösungen in Deutschland sind ein wichtiger Pluspunkt. Wer mit DATEV, Lexware, Sage oder SAP arbeitet, sollte prüfen, ob die Rechnungssoftware diese Systeme direkt anbinden kann.

Für eigenentwickelte oder weniger verbreitete Lösungen ist die Verfügbarkeit von APIs entscheidend. Eine moderne Software bietet REST-APIs mit guter Dokumentation, die individuelle Integrationen ermöglichen. Anbieter ohne API oder mit veralteten Schnittstellen erzeugen Abhängigkeiten, die problematisch werden können.

Die Skalierbarkeit und die Wachstumsfähigkeit

Eine Rechnungssoftware sollte mit dem Unternehmen wachsen können. Die Wahl auf der Basis aktueller Anforderungen kann sich rasch als zu eng erweisen, wenn das Unternehmen wächst. Skalierbare Lösungen, die ein Hochstufen ohne Wechsel ermöglichen, sind vorzuziehen.

Konkrete Wachstumsdimensionen umfassen das Rechnungsvolumen, die Anzahl der Nutzer, die Anzahl der Mandanten oder Standorte, die Internationalisierung. Eine Lösung, die heute zu zwanzig Rechnungen pro Monat passt, sollte auch bei tausend Rechnungen pro Monat noch funktionieren, vielleicht mit einem höheren Tarif, aber ohne Funktionswechsel.

Für KMU mit ambitionierten Wachstumsplänen ist die Wachstumsfähigkeit besonders wichtig. Ein Wechsel der Rechnungssoftware ist organisatorisch aufwändig; ein Wechsel zur Unzeit kann signifikante Produktivität kosten.

Die Benutzerfreundlichkeit

Eine technisch perfekte Software, die niemand bedient, ist wertlos. Die Benutzerfreundlichkeit ist daher ein zentrales Kriterium. Eine intuitive Bedienoberfläche, klare Workflows, sinnvolle Standardvorgaben und kontextuelle Hilfe reduzieren Fehler und beschleunigen die Arbeit.

Eine kostenlose Testphase ist Gold wert. Wer die Software über einige Wochen in der Praxis nutzt, erkennt schnell, ob sie zum eigenen Arbeitsstil passt oder eher Hindernis als Hilfe ist. Eine Demonstration durch den Anbieter zeigt nur die besten Aspekte; die echte Nutzung deckt auch Schwächen auf.

Die Erfahrung des täglichen Bedieners sollte in die Entscheidung einfließen. Wer mit der Software arbeiten muss, hat oft die beste Perspektive für die Benutzerfreundlichkeit. Eine Entscheidung gegen den Wunsch der späteren Anwender ist meist eine Fehlentscheidung.

Der Support und die Servicequalität

Wenn etwas nicht funktioniert, zeigt sich die Qualität des Supports. Erreichbarkeit, Reaktionszeit, fachliche Kompetenz, Sprachsupport: alle diese Faktoren spielen eine Rolle.

Bei der Bewertung des Supports sollten konkrete Fragen gestellt werden: Wann ist der Support erreichbar —nur werktags zu Bürozeiten oder auch erweitert—? Welche Reaktionszeit wird zugesichert? Wer beantwortet die Anfragen —technisches Personal mit fundiertem Wissen oder Erstniveau-Support mit beschränkten Kompetenzen? Welche Kanäle stehen zur Verfügung —Telefon, E-Mail, Chat, Ticket-System—?

Eine Probekontaktaufnahme mit dem Support während der Evaluation gibt einen ersten Eindruck. Wer schnell und kompetent auf eine konkrete Frage antwortet, wird das vermutlich auch im Falle eines echten Problems tun.

Die Kosten und die Tarifstrukturen

Die Kosten der Rechnungssoftware sind ein wesentliches Kriterium, sollten aber nicht isoliert betrachtet werden. Eine günstige Lösung mit schlechtem Support oder fehlenden Funktionen kann am Ende teurer sein als eine zunächst kostspieligere Alternative.

Typische Tarifmodelle umfassen monatliche oder jährliche Abonnements, oft gestaffelt nach Funktionsumfang, Nutzeranzahl oder Rechnungsvolumen. Einmalige Lizenzgebühren sind seltener geworden, bestehen aber noch in einigen Marktsegmenten.

Bei der Kalkulation der Gesamtkosten sollten neben den Lizenzkosten auch die Implementierungskosten, die Schulungskosten, die Kosten für eventuelle Anpassungen oder Integrationen und die laufenden Wartungskosten berücksichtigt werden. Die Gesamtkostenrechnung über drei bis fünf Jahre bietet eine realistischere Vergleichsbasis als die monatliche Tarifrate.

Die Stabilität des Anbieters

Eine Rechnungssoftware ist eine langfristige Beziehung. Der Anbieter sollte stabil genug sein, um über Jahre zuverlässig zu liefern. Indikatoren für die Stabilität sind die Marktpräsenz, die Anzahl der Kunden, die finanzielle Lage, die Dauer am Markt, die Investitionen in die Produktentwicklung.

Neue Anbieter mit innovativen Konzepten können attraktiv sein, bergen aber höheres Risiko. Ein Anbieter, der nach einem Jahr den Betrieb einstellt, hinterlässt seine Kunden mit der Notwendigkeit einer ungeplanten Migration —oft in problematischen Momenten.

Etablierte Anbieter sind sicherer, können aber weniger flexibel oder innovativ sein. Die Wahl zwischen Innovation und Stabilität ist eine strategische Entscheidung, die zum Risikoprofil des Unternehmens passen sollte.

Die Sicherheit und der Datenschutz

Eine Rechnungssoftware verwaltet sensible Geschäftsdaten. Sicherheit und Datenschutz sind daher zentrale Kriterien.

Indikatoren für die Sicherheit umfassen Zertifizierungen wie ISO 27001, dokumentierte Sicherheitsverfahren, regelmäßige Sicherheitsaudits, transparente Kommunikation im Falle von Sicherheitsvorfällen. Für Cloud-basierte Lösungen ist der Standort der Server wichtig: Server innerhalb der EU sind in der Regel DSGVO-konform leichter zu nutzen als Server außerhalb.

Die Datensicherung —Backup-Strategie, Wiederherstellungstests, geografische Redundanz— ist ein weiterer wichtiger Aspekt. Ein Datenverlust bei der Rechnungsstellung kann existenzbedrohend sein.

Die Migration aus der bestehenden Lösung

Wer bereits eine Rechnungssoftware hat, muss bei der Wahl einer neuen Lösung die Migration bedenken. Wie kommen die Bestandsdaten —Kunden, Lieferanten, Artikel, offene Forderungen, Historie— in das neue System? Wie wird die Kontinuität der Rechnungsnummerierung sichergestellt? Wie werden die Mitarbeiter auf das neue System geschult?

Anbieter mit guter Migrationsunterstützung —Import-Werkzeuge, Beratungsleistungen, Beispielprojekte mit ähnlichen Unternehmen— erleichtern den Wechsel erheblich. Anbieter, die die Migration als Problem des Kunden behandeln, können den Wechsel zu einer Belastung machen.

Für KMU ohne eigene IT-Ressourcen ist die Migrationsunterstützung besonders wichtig. Ein guter Anbieter kann den Wechsel weitgehend übernehmen; ein schlechter Anbieter überlässt dem Kunden die Komplexität.

Häufige Fehler bei der Software-Auswahl

Drei Fehler wiederholen sich bei der Auswahl einer Rechnungssoftware. Erstens: die Entscheidung allein nach dem Preis. Die günstigste Lösung ist selten die wirtschaftlichste, wenn die Gesamtkosten und der Aufwand für Workarounds berücksichtigt werden.

Zweitens: die Vernachlässigung der Integration mit der bestehenden IT. Eine isolierte Lösung, die viele manuelle Datenübertragungen erfordert, verschenkt einen großen Teil der möglichen Effizienzgewinne.

Drittens: das Auslassen der praktischen Erprobung. Ein paar Tage Test mit echten Geschäftsvorfällen sagen mehr aus als jede Verkaufsdemo. Wer ohne Erprobung entscheidet, kauft die Katze im Sack.

Die fachliche Beratung

Die Wahl der Rechnungssoftware profitiert von der Beratung durch den Steuerberater, der die Anforderungen des Unternehmens kennt, und gegebenenfalls einen unabhängigen IT-Berater, der Marktüberblick bietet. Diese Kombination senkt das Risiko einer Fehlentscheidung erheblich.

Wenn Sie eine Rechnungssoftware suchen, die alle relevanten Kriterien für deutsche Unternehmen erfüllt, finden Sie weitere Informationen zu Invoseal unter invoseal.es.

Heute noch gelöst?

InvoSeal erfüllt die RD 1007/2023 im VeriFactu- und Nicht-VeriFactu-Modus vom ersten Tag an. Verantwortlichkeitserklärung veröffentlicht.

InvoSeal testen →
← Zurück zum Blog