Mit der zunehmenden Verbreitung elektronischer Rechnungen im B2B-Bereich ergeben sich für KMU neue Möglichkeiten der Automatisierung. Die manuelle Erfassung jeder eingehenden Rechnung —Belegerkennung, Datenabtippen, Buchungseintrag— gehört langsam der Vergangenheit an. Strukturierte elektronische Daten erlauben die direkte Übernahme in die Buchhaltungssoftware, mit erheblichen Effizienzgewinnen und reduzierter Fehlerquote. Dieser Leitfaden zeigt, wie KMU die Automatisierung sinnvoll einsetzen.

Vom manuellen Abtippen zur strukturierten Datenübernahme

Die klassische Verarbeitung einer Eingangsrechnung im KMU sah ungefähr so aus: Posteingang öffnen, Rechnung physisch lesen, relevante Daten —Lieferant, Datum, Beträge, Steuersätze— manuell in die Buchhaltungssoftware eintippen, Beleg archivieren. Pro Rechnung kostete dies einige Minuten, bei mehreren Hundert Rechnungen pro Monat ein nennenswerter Anteil der Arbeitszeit.

Mit elektronischen Rechnungen ändert sich die Logik fundamental. Die Daten liegen bereits strukturiert vor; sie müssen nicht aus einem Bild oder einem PDF gelesen werden, sondern werden direkt aus dem XML-Element extrahiert. Die Buchhaltungssoftware übernimmt die Daten automatisch und generiert einen Buchungsvorschlag, den der Anwender nur noch prüfen und freigeben muss.

Der Zeitaufwand pro Rechnung sinkt drastisch. Statt mehrere Minuten pro Rechnung sind oft nur wenige Sekunden für die Sichtprüfung und Freigabe nötig. Die Fehlerquote sinkt ebenfalls, weil keine Tippfehler bei der manuellen Erfassung mehr entstehen.

Die Voraussetzungen für die Automatisierung

Damit die automatisierte Verarbeitung funktioniert, müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein. Erstens muss die Rechnungssoftware in der Lage sein, die strukturierten Daten der eingehenden Rechnungen zu lesen und zu interpretieren. Dies setzt die Unterstützung der relevanten Formate —XRechnung, ZUGFeRD— voraus.

Zweitens müssen die Stammdaten gepflegt sein. Damit die Software den Lieferanten erkennt und der richtigen Buchung zuordnet, muss er in den Stammdaten angelegt sein. Bei neuen Lieferanten muss eine Erstanlage erfolgen, oft halbautomatisch aus den Rechnungsdaten.

Drittens müssen die Buchungsregeln definiert sein. Welche Kategorie von Aufwand wird welcher Buchungsposition zugeordnet? Welcher Steuersatz gilt für welche Lieferantengruppe? Welche Kostenstelle wird bei welcher Art von Rechnung belastet? Diese Regeln können ein- oder mehrmals konfiguriert werden und sparen dann bei jeder einzelnen Buchung Zeit.

Die typischen Schritte der automatisierten Verarbeitung

Eine typische automatisierte Verarbeitung läuft folgendermaßen ab. Schritt eins: die elektronische Rechnung trifft am dedizierten Eingangskanal —E-Mail-Adresse, Portal, EDI-Integration— ein. Die Software erkennt das Format und parst die strukturierten Daten.

Schritt zwei: die Software identifiziert den Lieferanten anhand der USt-IdNr. oder anderer Merkmale und ruft die zugehörigen Stammdaten ab. Wenn der Lieferant nicht bekannt ist, schlägt die Software eine Neuanlage vor.

Schritt drei: die Software generiert einen Buchungsvorschlag basierend auf den definierten Buchungsregeln. Der Vorschlag enthält die Buchungspositionen mit Konten, Beträgen und Steuerschlüsseln.

Schritt vier: der zuständige Mitarbeiter überprüft den Vorschlag, korrigiert gegebenenfalls und gibt frei. Bei Standardrechnungen reicht oft ein Klick.

Schritt fünf: die Buchung wird in der Buchhaltung verbucht; die elektronische Rechnung wird GoBD-konform archiviert; gegebenenfalls werden Folgeprozesse —Zahlungslauf, Erstattung— ausgelöst.

Die Kontrolle bleibt beim Menschen

Trotz aller Automatisierung bleibt die finale Kontrolle beim Menschen. Eine vollautomatische Buchung ohne Sichtprüfung ist in den meisten Fällen nicht empfehlenswert; sie würde die Verantwortung für die Buchung allein auf die Software übertragen und Fehler unentdeckt durchgehen lassen.

Die Sichtprüfung ist mit der Automatisierung kompatibel: sie wird schneller, weil die Software die wesentlichen Informationen vorbereitet, und sie kann fokussierter sein, weil der Mitarbeiter sich auf Auffälligkeiten konzentrieren kann statt auf Routineerfassung.

Für besonders hohe Rechnungsvolumen oder für sehr standardisierte Lieferantenbeziehungen kann eine vollautomatische Verarbeitung mit nachträglichen Stichproben sinnvoll sein. Die Entscheidung über den Automatisierungsgrad sollte das Risikoprofil des Unternehmens berücksichtigen.

Die Behandlung von Sonderfällen

Nicht jede eingehende Rechnung ist standardmäßig automatisch verarbeitbar. Sonderfälle erfordern manuelle Eingriffe oder zumindest besondere Aufmerksamkeit. Typische Sonderfälle umfassen Rechnungen mit ungewöhnlichen Steuersätzen, Rechnungen mit Reverse-Charge, Rechnungen in Fremdwährungen, Rechnungen mit unvollständigen oder unklaren Angaben.

Die Software sollte Sonderfälle zuverlässig erkennen und zur manuellen Bearbeitung markieren, statt sie automatisch zu verbuchen und damit Fehler zu generieren. Eine gute Konfiguration definiert klare Kriterien für die manuelle Bearbeitung.

Lernfähige Systeme verbessern sich im Laufe der Zeit. Bestimmte Sonderfälle, die zunächst manuell behandelt werden, können nach Erkennen des Musters künftig automatisiert werden. Diese kontinuierliche Verbesserung erhöht den Automatisierungsgrad schrittweise.

Die Integration mit dem Zahlungsverkehr

Eine besonders effiziente Automatisierung verbindet die Eingangsrechnungsbearbeitung mit dem Zahlungsverkehr. Nach der Freigabe der Buchung wird die Rechnung automatisch in den Zahlungslauf aufgenommen, mit der korrekten Bankverbindung des Lieferanten und dem korrekten Fälligkeitsdatum.

Diese Integration erfordert die Pflege der Bankverbindungen in den Stammdaten und die Aktivierung der entsprechenden Workflows. Die Software prüft typischerweise die Konsistenz zwischen Rechnung und Stammdaten und meldet Diskrepanzen.

Die Freigabe der Zahlung kann je nach Unternehmensgröße einstufig oder mehrstufig sein. KMU mit klaren Verantwortlichkeiten haben oft einstufige Prozesse; größere Unternehmen können mehrstufige Freigaben mit Vier-Augen-Prinzip vorsehen.

Die Behandlung der Belege

Die elektronische Rechnung selbst muss GoBD-konform archiviert werden, in der ursprünglichen Form. Dies geschieht typischerweise automatisch im Zuge der Verarbeitung: die Software speichert die XML- oder PDF-Datei in einem zertifizierten Archiv und verknüpft sie mit der Buchung.

Bei Buchungen, die spätere Fragen aufwerfen können —Inspektion, interne Audit, Streit mit Lieferanten— ist die schnelle Auffindbarkeit der Originalrechnung wichtig. Die Verknüpfung zwischen Buchung und Beleg sollte daher robust und nachvollziehbar sein.

Für Belege außerhalb der elektronischen Rechnung —begleitende Lieferscheine, Verträge, Korrespondenz— kann ein zusätzliches Dokumentenmanagement sinnvoll sein. Manche Buchhaltungssoftwaren integrieren ein solches Modul; andere sind auf externe Lösungen angewiesen.

Die Reporting-Möglichkeiten

Die Automatisierung der Eingangsrechnungsbearbeitung schafft auch Möglichkeiten für besseres Reporting. Die strukturierten Daten erlauben Analysen, die mit manueller Erfassung nicht möglich waren: Lieferantenstatistiken, Kostenstellenauswertungen, Trends nach Zeit oder nach Kategorie.

Diese Reports unterstützen Management-Entscheidungen. Wo werden die meisten Kosten verursacht? Mit welchen Lieferanten arbeiten wir am intensivsten? Sind die Skontoabzüge effektiv? Solche Fragen lassen sich auf Knopfdruck beantworten.

Für KMU mit Wachstumsambitionen ist diese Reporting-Funktion besonders wertvoll. Sie bietet die Grundlage für strategische Entscheidungen, die ohne die strukturierten Daten nur intuitiv getroffen würden.

Die Schnittstelle zum Steuerberater

Viele KMU arbeiten mit einem externen Steuerberater zusammen, der die laufende Buchhaltung oder zumindest die Jahresabschlussarbeiten übernimmt. Die elektronische Rechnungsstellung und Eingangsrechnungsbearbeitung erleichtert die Zusammenarbeit, weil die Daten strukturiert ausgetauscht werden können.

DATEV-Schnittstellen sind in Deutschland besonders verbreitet, weil viele Steuerberater mit DATEV arbeiten. Rechnungssoftware mit guter DATEV-Integration ermöglicht eine reibungslose Datenübernahme zwischen Unternehmen und Steuerberater.

Auch andere Schnittstellenstandards —für Sage, Lexware oder andere Steuerberatungssoftware— sind im Markt verfügbar. Die Wahl der Rechnungssoftware sollte die Präferenzen des Steuerberaters berücksichtigen, um Reibungsverluste zu vermeiden.

Häufige Fehler bei der Automatisierung

Drei Fehler wiederholen sich bei der Automatisierung der Eingangsrechnungsbearbeitung. Erstens: das blinde Vertrauen in die Automatisierung ohne Kontrolle. Software kann Fehler machen; die Sichtprüfung durch den Menschen bleibt essentiell, auch wenn sie nur Sekunden dauert.

Zweitens: die Vernachlässigung der Stammdatenqualität. Eine Automatisierung mit fehlerhaften Stammdaten produziert systematische Buchungsfehler, die später aufwändig zu korrigieren sind.

Drittens: das Versäumnis, Sonderfälle klar zu definieren. Wenn die Software nicht weiß, was ein Sonderfall ist, behandelt sie ihn wie einen Standardfall —mit potenziell problematischen Folgen.

Die fachliche Beratung

Die Optimierung der Eingangsrechnungsverarbeitung profitiert vom Zusammenspiel zwischen Steuerberater —für die fachlichen Aspekte— und IT-Beratung —für die technische Umsetzung. Die richtige Konfiguration spart dauerhaft Zeit und Geld.

Wenn Sie eine Lösung suchen, die die elektronische Eingangsrechnungsbearbeitung professionell unterstützt, finden Sie weitere Informationen zu Invoseal unter invoseal.es.

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