Von Excel und Word zu SIF-Software: Rechnungsvorlagen ohne Stress abloesen
Rechnung in Word schreiben, Nummer hochzaehlen, als PDF exportieren, versenden — so arbeiten viele deutsche Unternehmen seit Jahren, auch fuer ihre Kunden und Niederlassungen in Spanien. Fuer spanische Umsaetze ist dieses Verfahren rechtlich am Ende. Mit der Verordnung ueber Rechnungssysteme (Real Decreto 1007/2023) — in Kraft fuer Gesellschaften seit 1. Januar 2026 und fuer Selbststaendige seit 1. Juli 2026 — verlangt Spanien ein SIF: eine konforme Rechnungssoftware.
Warum die Vorlage nicht mehr genuegt
Es geht nicht um Optik, sondern um technische Pflichten, die eine Vorlage prinzipiell nicht erfuellen kann:
- Keine Rechnungsdatensaetze mit verkettetem SHA-256-Hash: Jede Rechnung muss kryptographisch mit der vorherigen verbunden sein.
- Kein verpflichtender QR-Code, ueber den die Rechnung bei der spanischen Steuerbehoerde AEAT pruefbar ist.
- Kein Ereignisprotokoll, keine Unveraenderbarkeit: In einer Excel-Zelle laesst sich alles spurlos aendern — genau das verbietet die Norm.
- Kein Betrieb im VeriFactu-Modus (freiwillige, kontinuierliche Uebermittlung der Datensaetze an die AEAT bei Ausstellung) oder im Nicht-VeriFactu-Modus (signierte lokale Aufbewahrung, Uebermittlung auf Anforderung).
Das Risiko ist beziffert: Der Einsatz nicht konformer Software kostet bis zu 50.000 € pro Geschaeftsjahr (Art. 201 bis LGT).
Wichtig fuer deutsche Unternehmen: ZUGFeRD/XRechnung ist nicht die Loesung
In Deutschland sind Sie mit XRechnung und ZUGFeRD vertraut — strukturierte E-Rechnungsformate, die dort die E-Rechnungspflicht bedienen. Naheliegender Gedanke: "Wir stellen einfach ZUGFeRD-PDFs aus, dann sind wir auch in Spanien konform." Das stimmt nicht. Die spanische Pflicht betrifft nicht das Rechnungsformat, sondern das System, das die Rechnung erzeugt: Verkettung, QR, Ereignisprotokoll, Unveraenderbarkeit. Ein ZUGFeRD-PDF aus Word oder einem deutschen Tool ohne SIF-Konformitaet erfuellt die spanischen Anforderungen nicht. Beide Welten koennen koexistieren — fuer spanische Umsaetze zaehlt das SIF.
Was vom alten Verfahren bleibt
Die Migration ist kein Neuanfang bei null:
- Nummerierung und Serien: bestehende Serie fortfuehren oder ab Stichtag neu beginnen — Hauptsache fortlaufend und lueckenlos ab dem neuen System.
- Kundendaten: Namen, Steuernummern (NIF), Adressen. Die alte Kundentabelle ist die perfekte Importbasis.
- Artikel- und Preislisten fuer wiederkehrende Leistungen.
- Ihre Kontrollroutinen: Die monatliche Uebersicht liefert kuenftig die Software.
Migrationsplan fuer einen Nachmittag
1. Kunden und Artikel als CSV exportieren (Name, NIF, Adresse, E-Mail; Leistung, Preis, IVA-Satz). 2. In die SIF-Software importieren und stichprobenartig NIF und Steuersaetze pruefen. 3. Serien festlegen: alte Serie fortfuehren oder neue ab Stichtag. Entscheidung dokumentieren. 4. Steuerdaten und Modus konfigurieren; fuer die meisten Betriebe ist VeriFactu der einfachste Weg — gerade bei Fuehrung aus Deutschland schafft die kontinuierliche Uebermittlung Rechtssicherheit. 5. Erste konforme Rechnung ausstellen und QR-Code sowie Verkettung des Datensatzes pruefen.
Ab diesem Moment kommt jede neue Rechnung aus dem System. Die Vorlage wandert ins Archiv.
Was passiert mit den Altrechnungen?
Beruhigende Antwort: nichts wird neu erstellt. Vor der Migration ausgestellte Rechnungen bleiben unveraendert erhalten, innerhalb der ueblichen Aufbewahrungsfristen, als Nachweis fuer jene Zeitraeume. Die Verordnung wirkt nach vorn — sie schreibt Ihre Vergangenheit nicht um. Alte PDFs und Tabellen in einen geschlossenen Ordner legen und nicht mehr anfassen.
Fehler, die Sie vermeiden sollten
- Parallel auf zwei Wegen fakturieren: der schwerste Fehler. Wer nach der Migration noch "schnelle" Rechnungen aus Word zieht, produziert Nummernchaos und unverkettete Datensaetze. Ab Stichtag kommt alles aus dem SIF.
- Ausgestellte Rechnungen nachtraeglich aendern: Es wird nicht editiert, sondern eine Korrekturrechnung ausgestellt.
- Serien am ersten Tag improvisieren: vor der ersten Rechnung entscheiden.
- Die Umstellung aufschieben, bis die naechste Rechnung faellig ist.
Fazit
Der Abschied von Excel und Word ist kein Kontrollverlust, sondern ein Gewinn: verkettete Datensaetze, pruefbarer QR-Code und ein Ausstellungsnachweis, der jeder Pruefung standhaelt. Die Umstellung passt in einen Nachmittag — das Bussgeld fuer das Weiter-so nicht.
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